Solarstrom selbst verbrauchen oder komplett einspeisen? Die Antwort hängt 2026 von deinem Strompreis, deinem Verbrauchsmuster und deinem Budget ab. Hier ist die ehrliche Rechnung – mit aktuellen Zahlen.
Die Grundregel 2026
Selbst verbrauchter Solarstrom: ~8–12 Ct/kWh (Gestehungskosten deiner PV-Anlage). Eingespeister Solarstrom: ~8,0 Ct/kWh (EEG-Vergütung, Anlagen bis 10 kWp). Netzstrom kaufen: ~37 Ct/kWh (BDEW-Durchschnitt 2026).
Jede kWh, die du selbst verbrauchst, ist ~29 Ct wertvoller als eine kWh, die du einspeist (37 Ct gespart statt 8 Ct verdient). Deshalb ist Eigenverbrauch 2026 fast immer die bessere Strategie. Konsistent mit unserem PV-Kosten-Artikel und PV-Optionen-Vergleich.
Modell 1: Eigenverbrauch (Empfehlung für die meisten)
Wie es funktioniert
Du nutzt deinen Solarstrom zuerst selbst. Nur der Überschuss wird eingespeist (zu ~8 Ct/kWh). Je höher deine Eigenverbrauchsquote, desto mehr sparst du.
Eigenverbrauchsquoten (realistisch)
- Ohne Speicher: 25–35 % (PV produziert mittags, du verbrauchst morgens/abends)
- Mit Speicher (10 kWh): 60–70 %
- Mit Speicher + Wärmepumpe + E-Auto: 70–90 % (Maximum)
Rechenbeispiel: 10-kWp-Anlage, Familie (5.000 kWh/Jahr Verbrauch)
Ohne Speicher (30 % Eigenverbrauch):
- Anlage erzeugt ~10.000 kWh/Jahr (Süddeutschland)
- Davon 3.000 kWh selbst verbraucht × 37 Ct = 1.110 € gespart
- 7.000 kWh eingespeist × 8 Ct = 560 € Vergütung
- Jahresertrag: ~1.670 €
- Anlagekosten: ~12.000 € → Amortisation: ~7 Jahre
Mit 10-kWh-Speicher (65 % Eigenverbrauch):
- 6.500 kWh selbst verbraucht × 37 Ct = 2.405 € gespart
- 3.500 kWh eingespeist × 8 Ct = 280 € Vergütung
- Jahresertrag: ~2.685 €
- Anlage + Speicher: ~20.000 € → Amortisation: ~7,5 Jahre
Ergebnis: Speicher bringt ~1.000 €/Jahr mehr Ertrag bei ~8.000 € Mehrkosten → lohnt sich, aber nur knapp. Ohne Speicher ist die reine Anlage schneller amortisiert. Detaillierte Speicher-Analyse im PV-Optionen-Artikel (Speicher-Amortisation: ~11 Jahre isoliert betrachtet).
Eigenverbrauch maximieren (kostenlose Strategien!)
- Waschmaschine/Geschirrspüler auf 11–14 Uhr timer: Nutze Solarstrom statt Netzstrom
- E-Auto tagsüber laden (Überschussladen): Intelligente Wallbox (go-e Charger, Details im Ladekosten-Artikel)
- Wärmepumpe tagsüber laufen lassen: Heizstab + Warmwasser → größter Eigenverbrauchs-Booster
- Smarte Steckdosen (Shelly, Tapo): Geräte automatisch bei Solarüberschuss einschalten (Home Assistant, Details im Smart-Home-Artikel)
Modell 2: Volleinspeisung (Nische, aber nicht nutzlos)
Wie es funktioniert
Du speist 100 % deines Solarstroms ein und erhältst eine etwas höhere EEG-Vergütung als bei Überschusseinspeisung.
EEG-Vergütung 2026 (§ 48 EEG)
- Volleinspeisung bis 10 kWp: ~12,8 Ct/kWh (höher als bei Überschusseinspeisung!)
- Überschusseinspeisung bis 10 kWp: ~8,0 Ct/kWh
- Vergütung wird halbjährlich abgesenkt (Degression) → früherer Einstieg = höhere Vergütung für 20 Jahre garantiert
Rechenbeispiel: 10-kWp-Anlage, Volleinspeisung
- 10.000 kWh/Jahr × 12,8 Ct = 1.280 €/Jahr Vergütung
- Kein Speicher nötig → Anlagekosten: ~12.000 €
- Amortisation: ~9,4 Jahre
- Aber: Du kaufst weiterhin Netzstrom für 37 Ct → keine Stromkostenersparnis!
Wann Volleinspeisung sinnvoll ist
- Sehr niedriger Eigenverbrauch: Single, tagsüber nie zuhause, <2.000 kWh/Jahr Verbrauch. Eigenverbrauchsquote ohne Speicher: nur ~15–20 %
- Investitionsobjekt: Vermietete Immobilie, Mehrfamilienhaus (Mieter verbrauchen den Strom nicht selbst)
- Maximale Planungssicherheit: 20 Jahre garantierte Vergütung, keine Abhängigkeit von Strompreis-Entwicklung
- Budget für Speicher fehlt: Volleinspeisung ohne Speicher → einfachste und günstigste PV-Variante
Modell 3: Hybrid (seit 2023 möglich!)
Seit EEG 2023 kannst du auf demselben Dach zwei Anlagen betreiben: Eine Anlage für Eigenverbrauch (Überschusseinspeisung zu ~8 Ct) + eine Anlage für Volleinspeisung (zu ~12,8 Ct). Zwei separate Zähler nötig. Sinnvoll bei großen Dachflächen: Erste 5–7 kWp für Eigenverbrauch dimensionieren, restliche Kapazität als Volleinspeisung.
Dynamischer Stromtarif als Hybrid-Alternative
Tibber/aWATTar + PV + Speicher: Solarüberschuss einspeisen, wenn Börsenpreise hoch sind (manchmal 20+ Ct/kWh!). Netzstrom nachts laden, wenn Börsenpreise niedrig sind (oft 5–15 Ct). Wallbox lädt E-Auto automatisch zum günstigsten Zeitpunkt. Ohne zweite Anlage, ohne Doppel-Zähler. Konsistent mit unserem Dynamische-Stromtarife-Artikel.
Vergleichstabelle
- Eigenverbrauch (ohne Speicher): Amort. ~7 J. | Ertrag ~1.670 €/J. | Investition ~12.000 € | Stromkosten sinken
- Eigenverbrauch (mit Speicher): Amort. ~7,5 J. | Ertrag ~2.685 €/J. | Investition ~20.000 € | Stromkosten sinken stark
- Volleinspeisung: Amort. ~9,4 J. | Ertrag ~1.280 €/J. | Investition ~12.000 € | Stromkosten bleiben gleich
Eigenverbrauch gewinnt 2026 klar – solange dein Strompreis bei ≥30 Ct liegt. Erst wenn der Strompreis unter ~20 Ct fällt, wird Volleinspeisung konkurrenzfähig.
Für wen welches Modell?
Familie (4.000+ kWh/Jahr, tagsüber jemand zuhause): → Eigenverbrauch. Speicher optional (Nachrüstung jederzeit möglich). Wärmepumpe/E-Auto = Turbo für Eigenverbrauchsquote.
Single/Paar (wenig tagsüber zuhause, <3.000 kWh): → Eigenverbrauch ohne Speicher. Timer für Waschmaschine/Geschirrspüler → Eigenverbrauch auf ~30–35 % bringen. Speicher lohnt sich hier oft nicht.
Vermieter / Investitionsobjekt: → Volleinspeisung. Planbare Rendite, kein Mieterstrom-Aufwand. 12,8 Ct × 20 Jahre garantiert.
Großes Dach, ehrgeiziges Budget: → Hybrid. Eigenverbrauch + Volleinspeisung auf demselben Dach. Maximale Nutzung der Dachfläche.
Technik-Enthusiast: → Eigenverbrauch + dynamischer Stromtarif (Tibber). Maximale Optimierung: PV-Überschuss einspeisen bei hohen Börsenpreisen, Netzstrom laden bei niedrigen. Kein zweiter Zähler nötig.
Eigenverbrauch ist 2026 fast immer die wirtschaftlichere Strategie – weil die Differenz zwischen Strompreis (37 Ct) und Einspeisevergütung (8–12,8 Ct) so groß ist. Jede kWh, die du selbst verbrauchst statt einzuspeisen, bringt dir 24–29 Ct mehr Wert. Starte mit Eigenverbrauch, optimiere Schritt für Schritt, und rüste bei Bedarf Speicher nach.
Hinweis: EEG-Vergütungssätze ändern sich halbjährlich. Vor der Beauftragung aktuelle Sätze prüfen. Details im PV-Kosten-Artikel.
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